
Wenn etwas knirscht, hinschauen – nicht weitermachen
„Wie läuft’s gerade bei euch im Team?“
Wenn du bei dieser Frage zögerst – oder dein Bauch ein leichtes Ziehen signalisiert – ist das vielleicht schon die Antwort. Denn oft merken wir, dass irgendetwas nicht rund läuft. Dass etwas „knirscht“. Aber wir schieben es weg. Weil es gerade nicht passt. Weil der Kalender voll ist. Weil andere Themen scheinbar dringlicher sind.
Doch in Wahrheit ist nichts dringlicher als eine Störung im Miteinander. Denn Störungen – ganz gleich, ob leise oder laut – kosten. Sie kosten Energie, Konzentration, Kreativität. Sie ziehen den Fokus weg vom Wesentlichen. Und sie lösen sich selten in Luft auf.
„Störungen haben Vorrang.“ Klingt unbequem? Ist es auch.
Ob jemand mit den Gedanken woanders ist, innerlich blockiert ist oder unter Druck steht – es beeinflusst die Zusammenarbeit sofort. Und es ist naiv zu glauben, man könne einfach „darüber hinweg arbeiten“.
Deshalb mein Führungsprinzip – ganz klar: Störungen haben Vorrang. Immer.
Das bedeutet nicht, dass jedes persönliche Problem öffentlich ausgetragen werden muss. Aber: Wenn etwas im Raum steht – sprecht es an. Hört zu. Stoppt den Prozess, wenn nötig. Lieber eine kurze ehrliche Klärung als monatelanges Leiden unter einem schwelenden Konflikt, den keiner richtig versteht.
Was passiert, wenn man Störungen ignoriert?
- Das Vertrauen sinkt.
- Die Stimmung kippt.
- Die Produktivität leidet.
- Die Gerüchteküche brodelt.
- Das „eigentliche Problem“ wird unsichtbar – aber wirkt weiter.
Und irgendwann weiß niemand mehr genau, was eigentlich das Problem war. Nur, dass irgendetwas nicht stimmt.
„Behandle den Feind, bevor er zur Gefahr wird.“
— Sun Tzu
Wie man Störungen erkennt – und damit umgeht
Du musst kein Coach oder Psychologe sein, um Unstimmigkeiten zu erkennen. Du brauchst nur eines: Wachheit. Und die Bereitschaft, hinzuschauen.
Ein paar Anzeichen:
- Jemand wirkt ungewöhnlich still oder gereizt.
- Die Kommunikation wird zäh oder formelhaft.
- Deadlines werden geschoben, ohne Erklärung.
- Ironie oder Zynismus schleichen sich ein.
In solchen Momenten hilft kein „Augen zu und durch“. Es braucht Klarheit.
Und oft nur eine einfache Frage: „Ich spüre, da ist gerade was. Wollen wir kurz reden?“
Das genügt, um Räume zu öffnen. Oft entsteht schon durch diese Geste Erleichterung.
Und was, wenn ich selbst die Störung bin?
Auch das kommt vor. Gerade Führungskräfte sind nicht unfehlbar – auch wenn sie manchmal so wirken sollen. Ich persönlich bin dankbar, wenn mein Team mir offen rückmeldet, wenn ich blinde Flecken habe. Gesunde Zusammenarbeit lebt davon, dass jeder gehört wird. Auch gegenüber der Führung. Manche nennen das „herrschaftsfreien Raum“. Ich nenne es: Vertrauen. Und Respekt.
Fazit: Klären statt klammern
Störungen verschwinden nicht.
Sie verlagern sich – unter den Teppich, in die Körpersprache, in zynische Nebensätze. Dort nagen sie leise, aber wirkungsvoll.
Deshalb: Sprecht sie an. Sofort, ehrlich, respektvoll.
Die Luft wird klarer. Die Stimmung leichter. Die Arbeit besser.


