Happiness-Index im Team: Warum gute Führung nach der Stimmung fragt

Montag, elf Uhr. Unser Jour fixe beginnt. Aber bevor wir über Projekte, Termine und Aufgaben sprechen, stellen wir eine andere Frage: Wie geht es dir gerade?
Nicht beiläufig. Nicht auf dem Weg zur Kaffeemaschine. Sondern mit voller Aufmerksamkeit.
Dafür nutzen wir unseren Happiness-Index im Team. Ein Flipchart. Eine Skala von 0 bis 10. Ein Kreuzchen pro Person. Mehr braucht es zunächst nicht.
Klingt einfach? Ist es auch. Die eigentliche Arbeit beginnt allerdings dort, wo jemand eine ehrliche Antwort gibt.
Glück gehört auch in den Arbeitsalltag
Glück – ein großes Wort. Vielleicht denkst du dabei eher an Urlaub, Familie oder einen freien Nachmittag als an das nächste Teammeeting.
Verständlich. Trotzdem verbringen wir einen erheblichen Teil unseres Lebens mit Arbeit. Warum sollten wir ausgerechnet dort ignorieren, wie es uns geht?
Für mich gehört das zur Mitarbeiterführung. Menschen bringen schließlich mehr mit ins Büro als ihre Fachkenntnisse. Sie bringen Energie mit. Sorgen. Begeisterung. Manchmal auch eine ziemlich schlechte Nacht.
All das sitzt mit am Tisch. Ob wir danach fragen oder nicht.
Was der Happiness-Index sichtbar macht
Unser Happiness-Index ist eine einfache Momentaufnahme: Wo stehst du heute auf einer Skala von 0 bis 10?
Eine 9 kann heißen: Ich freue mich auf die Woche. Eine 6: Es ist gerade ziemlich viel. Eine 3: Mir geht es nicht gut.
Was genau dahintersteckt, lässt sich aus der Zahl allein natürlich nicht ablesen. Dafür braucht es ein Gespräch. Aber sie öffnet eine Tür.
Die Inspiration dahinter ist der Gedanke des Bruttonationalglücks aus Bhutan: Erfolg lässt sich nicht allein an wirtschaftlichen Kennzahlen festmachen. Für unseren Arbeitsalltag bedeutet das: Neben Aufgaben und Ergebnissen interessiert uns auch, wie es den Menschen geht, die diese Ergebnisse möglich machen.
Ein Flipchart reicht. Vertrauen muss dazukommen.
Die Ausstattung ist überschaubar: ein Flipchart, Stifte und eine Skala. Entscheidend ist die Atmosphäre.
Traut sich jemand, eine 4 zu setzen? Oder landet das Kreuz vorsichtshalber bei der 8, weil der Chef zuschaut?
Wenn nur gute Werte willkommen sind, erfährst du wenig.
Deshalb gilt bei uns: keine Bewertung, keine Rechtfertigung, kein Wettbewerb um die beste Stimmung. Auch ich als Führungskraft bin Teil dieser Runde.
Wer etwas erzählen möchte, bekommt Raum. Wer seine Zahl stehen lassen möchte, darf das ebenfalls. Freiwilligkeit gehört dazu. Sonst wird aus Aufmerksamkeit schnell Druck.
Bei einer 6 oder weniger fragen wir nach
Unser Prinzip: Bei einer 6 oder weniger fragen wir nach. Behutsam. Zugewandt. Ohne jemanden vor der Gruppe auszufragen.
„Möchtest du erzählen, was dich gerade beschäftigt?“ kann schon reichen.
Manchmal geht es um eine volle Aufgabenliste. Manchmal um Unklarheiten in einem Projekt. Manchmal um etwas Privates, das niemand näher erklären möchte.
Nicht alles lässt sich im Meeting lösen. Aber wir können zuhören, Unterstützung anbieten oder ein Gespräch unter vier Augen vereinbaren. Wenn sich eine Belastung bei der Arbeit verändern lässt, sollten wir das anschließend auch tun.
Ein Kreuzchen allein macht noch keinen Unterschied.
Gute Unternehmenskultur zeigt sich beim Zuhören
Was ich an diesem Ritual besonders schätze: Für einen Moment steht ein Mensch im Mittelpunkt. Das Team hält inne. Hört zu. Nimmt wahr.
So beginnt unser Montag mit Aufmerksamkeit füreinander.
Eine positive Unternehmenskultur entsteht durch solche Erfahrungen: Ich werde gesehen. Ich darf ehrlich sein. Wenn etwas schwierig ist, muss ich damit nicht allein bleiben.
Deshalb gehört der Happiness-Index für mich fest zu unserem Jour fixe.
Die Frage ist schnell gestellt: Wie geht es dir?
Gute Führung zeigt sich darin, wie ernst du die Antwort nimmst.

