Kleine Veränderung, große Wirkung: Warum Atomic Habits funktionieren

Gewohnheiten sind das Trojanische Pferd zum Erfolg. Richtig aufgestellt, bilden sie den Autopiloten unseres Verhaltens. Und stellen so sicher, dass wir – ohne viel Aufwand – stets das richtige tun, um unsere Ziele zu erreichen. Die entscheidende Frage lautet nur: Steuert dieser Autopilot in die richtige Richtung?

Oder anders gefragt: Haben wir uns die richtigen Gewohnheiten angeeignet? Denn täglicher Fernsehkonsum, das ewige Daddeln am Handy, die Tüte Chips und das Feierabend-Bier sind natürlich auch Gewohnheiten. Aber ganz sicher nicht die hilfreichsten.

Veränderung beginnt im Kleinen

Die gute Nachricht: Gewohnheiten lassen sich ändern. Und zwar wesentlich einfacher, als die meisten von uns denken. Denn viele Menschen glauben, sie müssten ihr Leben radikal verändern, um wirklich etwas zu erreichen. Viel mehr Sport treiben. Viel weniger essen. Viel mehr lesen. Viel weniger fernsehgucken. Mehr Disziplin. Mehr Fokus. Mehr, mehr, mehr …

Doch in der Praxis funktioniert Veränderung von Gewohnheit ganz anders. Nicht durch große Vorsätze – sondern durch fast atomhaft kleine Schritte. Durch sogenannte Atomic Habits. Atomic Habits sind winzige Gewohnheiten, die einzeln ausgeführt kaum Überwindung kosten. Langfristig aber entfalten sie eine enorme Wirkung. Mein persönliches Beispiel:

Frühsport oder: Den inneren Schweinehund überlisten

Ich liebe Sport nicht unbedingt. Aber ich liebe es, schlank und fit zu sein, beweglich und bei durchgestreckten Knien auch morgens mit den Händen auf den Boden zu kommen. Das Problem: Ich liebe Sport nicht unbedingt. Aber es muss sein. Also meldet sich jeden Morgen bei mir vor meinem Workout der Innere Schweinehund. Vielleicht doch lieber nicht, meint der Schweinehund? Vielleicht morgen wieder? Auf jeden Fall wann auch immer, aber heute nicht.

Blöd. Ich weiß. Aber macht nichts. Denn ich trickse ihn aus. Den Inneren Schweinehund. Durch ein Atomic Habit. Eine klitzekleine Gewohnheit. Und zwar: Ich beginne nicht mit Sport. Denn der ist ja anstrengend. Ich beginne vielmehr mit Musik. Ich schalte einfach meine Trainingsplaylist ein. Nicht mehr. Nicht weniger. Keine Verpflichtung, kein Plan. Und Musik hören ist nicht anstrengend. Musik hören macht Spaß. Auch meine Trainingsplaylist. Status Quo und so. Aber was passiert? Plötzlich stehe ich da, wippe im Rhythmus – und ehe ich mich versehe, bin ich mitten in der ersten Übung, Kardio nach Caroline. Geile Sache das.

Der entscheidende Punkt hier: Ich habe nicht mit Sport begonnen. Sondern mit einem kleinen Impuls. Einem Atomic Habit.

Atomic Habit im Job

Das gilt auch bei der Arbeit. Zu meiner Arbeit gehört Schreiben. Pressemeldungen, Fachartikel, Blogbeiträge wie dieser hier, Romane, Fachbücher. Auch beim Schreiben halte ich mich an eine einfache Regel. An ein Atomic Habit. Ich habe nur eine einzige Sache zu tun: Ich setze mich an den Schreibtisch. Punkt. Aus. Das war‘s. Und wie durch magische Hand geführt, öffnet meine eigene den Laptop, die entsprechende Datei, und schon sausen zehn Finger behände über die Tastatur … Nein, gelogen. Ich schreibe zwar gar nicht so langsam, aber bei weitem nicht mit zehn Fingern. Wenn‘s vier davon sind, ist es schon gut., öffne den Laptop und lade die Datei. Aber das macht ja gar nichts. Entscheidend ist ja der Atomic Habit Trick.

Mein Erlauber: Ich darf zehn Minuten auf den Bildschirm starren. Wenn dann nichts passiert, auch gut. Dann eben nicht. Aber das ist es ja. Genau das passiert fast nie. Denn sobald ich an der Tastatur sitze, schreibe ich. Fast immer. Der schwierigste Schritt ist wie immer der erste.

Ergo: Je kleiner, desto oho!

Atomic Habits funktionieren, weil sie keinen inneren Widerstand erzeugen. Du musst nicht dein ganzes Leben verändern. Du beginnst nur mit einer kleinen Handlung: Musik einschalten. Laptop öffnen. Seite im Buch aufschlagen. Der Rest, bzw. das, was du eigentlich machen möchtest, um im Leben weiterzukommen, folgt praktisch von allein.

Und genau deshalb verändern Gewohnheiten unser Leben nicht durch große Schritte – sondern durch kleine Entscheidungen, die wir jeden Tag wiederholen. Und wem gebührt die Ehre, diese wundervolle Strategie entwickelt zu haben? Es ist kein Geringerer als James Clear in seinem Weltbestseller Atomic Habit, erschienen 2018 bei Avery.

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